Pressemeldung  Claudia Richter (Die Presse)    29. August, 2011


Physiotherapie: Von Schmerzfreiheit bis zur Sturzprophylaxe


Die Behandlungsart ist in der Medizin nicht mehr wegzudenken. Das Einsatzgebiet der Physiotherapie reicht von postoperativer Nachbetreuung über Wirbelsäulenprobleme bis hin zu Kieferfehlstellung und Schlaganfall.


Weder spektakulär noch revolutionär: Rehabilitation ist so etwas wie Medizin im Stillen, Medizin ohne Schlagzeilen. Aber wichtige Medizin, erspart sie doch Schmerzen, Leid, Krankenstandstage, Geld. „Rehabilitation trägt einen guten Teil dazu bei, dass der 50-Jährige nach einem Bandscheibenvorfall wieder schneller in den Arbeitsprozess integriert werden kann, dass die 70-Jährige nach einer Sturzverletzung nicht zum Pflegefall wird“, betont Univ.-Doz. Dr. Johannes Kirchheimer, Primar der Sonderkrankenanstalt für medizinische Rehabilitation Thermenhof im Warmbad Villach. Der Thermenhof wurde übrigens mit dem Gütesiegel der Joint Commission International ausgezeichnet, einem Qualitätssicherungssystem, das Zufriedenheit und Sicherheit des Patienten in den Mittelpunkt stellt.

Erhaltung der Selbstständigkeit

Die Ansprüche des Patienten, so Kirchheimer, würden immer höher. Heute erwarte sich auch der 70-Jährige von einer Rehabilitation mehr als Schmerzerleichterung. Galt früher „Hauptsache, ich kann wieder einigermaßen gehen“, will auch der betagte Patient von heute noch langlaufen oder wandern oder golfen. „Darauf muss die moderne Rehabilitation eingehen. Und sie tut es auch.“

Nachbetreuung nach Schulter-, Knie-, Hüft- und vielen anderen Operationen ist aber nur eines der vielen Gebiete, in denen Physiotherapie zum Einsatz kommt und, wie erwähnt, Spätfolgen eines chirurgischen Eingriffes vermeiden hilft. „Nach einem Oberschenkelhalsbruch etwa kann Physiotherapie ein wertvoller Mosaikstein für die Wiedererlangung und Erhaltung der Selbstständigkeit eines Patienten sein“, sagt Kirchheimer.

Physiotherapie ist in der medizinischen Versorgung nicht mehr wegzudenken. Ihr Ziel ist größtmögliche Bewegungs- und Schmerzfreiheit, behandelt werden unter anderem einige akute Krankheiten, Verletzungen, chronische Beschwerden, angeborene und erworbene Behinderung, körperliche Funktionsstörungen. „Daher sind Physiotherapeuten in allen medizinischen Fachrichtungen vertreten“, weiß der in Villach tätige Physiotherapeut Thomas Sareiter. „Ein Physiotherapeut braucht fundierte Kenntnisse in Anatomie, Physiologie, Wundheilung, Trainingslehre und Krankheitslehre allgemein.“

Sehr wichtig nach Schlaganfällen

Wenn die Beschwerden den Rücken betreffen, kommen stabilisierende, kräftigende und mobilisierende Behandlungstechniken zum Einsatz, im orthopädischen Bereich sind unter anderem Arthrosen, künstliche Gelenke, Skoliosen oder Osteoporose Indikationen für eine Physiotherapie. Diese kann aber auch bei Kieferfehlstellungen wirksam sein und ist nach einem Schlaganfall überhaupt zentraler Bestandteil einer erfolgversprechenden Behandlung.

Je früher Ärzte und Pfleger mit der Mobilisierung eines Schlaganfall-Patienten beginnen, desto eher erlangt dieser auch seine Gehfähigkeit zurück, besagt eine junge australische Studie, die in der Fachzeitschrift „Stroke“ veröffentlicht wurde. Demnach sollen Betroffene bereits in den ersten 24 Stunden nach einem Schlaganfall das Bett erstmals verlassen, und sei es nur für einen kurzen Moment. Eine intensive frühzeitige Physiotherapie kann wesentlich dazu beitragen, dass sich die Patienten schneller wieder erholen und früher wieder auf die Beine kommen. „Die sehr frühe Mobilisation hat große Vorteile gegenüber der üblichen, sogenannten Frühmobilisation, die in der Regel erst nach einigen Tagen beginnt. Dabei ist die Rolle des Physiotherapeuten entscheidend“, ist auch die Erfahrung von Univ.-Prof. Dr. Michael Brainin, Leiter der Neurologie am Landesklinikum Donauregion Tulln. Aber auch eine Langzeitrehabilitation sei laut Brainin von größter Bedeutung. Auch da beweisen neuere Studien, dass noch Jahre nach einem Schlaganfall Lebensqualität und die für Betroffene so wichtige Selbstständigkeit durch gezielte Physiotherapie entscheidend verbessert werden können. In der Langzeitrehabilitation besteht in Österreich allerdings noch großer Aufholbedarf, so der Bundesverband der Physiotherapeuten.

Durch gezielte Physiotherapie kann aber auch bei Multipler Sklerose – je nach Fortschreiten der Krankheit – ein Höchstmaß an Beweglichkeit und damit Selbstständigkeit erreicht werden. Auch bei Parkinson leistet sie einen wertvollen Beitrag und in der Palliativmedizin spielt sie eine entscheidende Rolle bei der Erhaltung der Lebensqualität. Last, not least, hat sie aber auch Bedeutung in der Prävention. Diese „kann zum einen Sturzprophylaxe sein, beispielsweise bei Gangstörungen auf Grund diverser Krankheiten oder nach Oberschenkelhalsbrüchen infolge von Stürzen“, erwähnt Kirchheimer. Hier soll Physiotherapie auch die Angst vor weiteren Stürzen nehmen.

Auch Gesunde können profitieren

Prävention durch Physiotherapie können aber auch Gesunde betreiben. Kirchheimer zählt da nur eines von vielen Beispielen auf: „Ein Golfspieler mit verkürzter Muskulatur hat infolge von muskulären Dysbalancen Koordinationsprobleme. Da kann ein physiotherapeutisches Programm sehr helfen.“ Das passiere auf Eigeninitiative und müsse der Betroffene freilich selbst bezahlen. Es sei keine Kassenleistung. „Immer wieder kommen auch Leute zu mir, die ihre körperliche Belastbarkeit, ihre Fitness oder ihre koordinativen Fähigkeiten verbessern wollen“, schildert Physiotherapeut Sareiter. „Sobald aber jemand kommt und sagt, er wolle mithilfe von Physiotherapie zum Beispiel seine Kopfschmerzen behandeln, darf ich nicht eingreifen. Es könnte ja eine ernsthafte Krankheit dahinter stecken und da braucht jeder Physiotherapeut eine ärztliche Zuweisung.“

Das ist ein guter Physiotherapeut

Der Physiotherapeut, so Sareiter, würde den Patienten häufig ganzheitlicher betrachten als so mancher Arzt. „Wir haben ja oft mehr Zeit für den Einzelnen. Wir schauen nicht nur das betroffene Gelenk oder die Wirbelsäule an, wir sehen den Körper in seiner ganzen Komplexität.“ Und das, so wie eine gehörige Portion Empathie und freilich genügend Fachwissen, mache auch einen guten Physiotherapeuten aus.

Weitere Informationen:

Die Presse 29.08.2011

News & Pressemeldungen

Die SKA Rehabilitation ist eine der führenden medizinischen Einrichtungen bei der Behandlung und Betreuung von Patienten und wurde von der Joint Commission International (JCI) als erstes Rehabzentrum in Europa akkreditiert.

Zurück zu den Pressemeldungen